Die Wing Chun – Odysee hat ein Ende!
Dieser Bericht behandelt die Wing Chun Odysee eines meiner früheren Schüler (nennen wir ihn mal Bob), welcher 1997 aus gesundheitlichen Gründen sein Wing Chun – Studium bei mir beenden musste. Bevor er jedoch gänzlich die „Handschuhe an den Nagel hing“, unternahm er aus persönlichem Interesse eine Art „Forschungsreise“ durch die verschiedenen Interpretationen dieser wunderschönen Kampfkunst auf europäischen Boden. Es hatte keinen Einfluss auf seinen Entschluss bis zum heutigen Tage. Einige ergänzende Erfahrungen aus meiner langen „Wing Chun“ Laufbahn habe ich mit eingefügt um den Leser das Spektrum zu erweitern. Die Hauptproblematik die Bob im Wing Chun sah, waren zum einen die Zeit, welche üblicher Weise benötigt wird um eine gewisse Kampffähigkeit zu erlangen und zum andern der Mangel an Individualität. Ist man ehrlich, bewegen sich die Anwender der verschiedenen Stilauslegungen, innerhalb ihres „Clans“ auf eine Weise alle gleich. Bobs Odysee dauerte ungefähr 12-15 Monate und auf dieser Reise begegnete er verschiedene Stilauslegungen des Wong Shun Leung Systems und dem Lok Yiu System, Ip Chun/Ching  System. Was ich an dieser Stelle nicht als Wertung verstanden haben will.

 

Wong Shun Leung-Stil:
Das Ving Tsun nach Wong Shun Leung kann nicht pauschal definiert werden. Innerhalb dieser Familie gibt es auch verschiedene Auslegungen  von Bewegungsabläufen, Konzepten, und Didaktik. Einige sind sich alle Vertreter dieser Kunst dahingehend, dass es im Grunde  darum geht den Gegner zu depositionieren, sprich die Angriffsline zu brechen um selbst ein eine bessere Schlagposition zu kommen. Die Bewegungsabläufe, Konzepte und Prinzipien um diese zu erreichen (u.a. auch um Korrekturen wieder in eine vorteilhafte Kampfposition zu bringen) befinden sich laut der Wong –Stilisten in der Cham Kiu (zweite Handform). Dieses Konzept ist oft das genaue Gegenteil der meisten Wing Chun- Interpretationen am europäischen Markt, wenn es sich um die Ip Man Line handelt. Anstatt der ankommenden Kraft auszuweichen (z.B. herauswenden etc…) leitet man den Angriff in einer Kreistangente von sich ab. Um dies zu bewerkstelligen zu können, muss auf der Achse gewendet werden die in der Ferse mündet. Der Gegner wird auf diese Weise stets in eine negative (verdrehte / debalancierte) Position gebracht. Der Wong-Stil ist zudem ein extremer Angriffsstil. Es wird quasi permanent Druck (Schläge) auf die Körpermasse des Gegners ausgeübt. Dieses Pressing verleitet den Gegner zu Fehler (Überforderung der Sinne), was das reagieren für einen selbst, einfacher gestaltet. Weiter läuft man in die Angriffsline und bricht diese. Was Bob innerhalb der verschiedenen Interpretationen des Wong Stil aufgefallen ist, das jeder Vertreter dieses Systems über Konzepte verfügt, die den anderen fehlen. Es wird der Eindruck erweckt, das Master Wong Schun Leung jedem seiner Schüler nur das gegeben hat, was dieser zum Kämpfen braucht. Eigentlich gut, wäre da nicht die Problematik des Weitergebens / Unterrichtens des Systems. So wie Wong auf die individuellen Bedürfnisse seiner Schüler eingegangen ist, sollte jeder Schüler in der Lage sein auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler einzugehen. Das lässt sich jedoch mit einem Fragment eines System nur schwer machen. Sie werden dann nicht wirklich individuell geschult, sondern kopieren stattdessen die Vorlage ihrer Lehrer. Verfügt man über ähnliche Voraussetzungen mag das auch funktionieren, sind die Voraussetzungen jedoch gänzlich verschieden, ist es wie ein „jagen nach den Wind“.

 

Der Lok Yiu Stil: 
Das Wing Chun nach Meister Lok Yiu zeichnet sich durch extreme Wechsel von Entspannung und Spannung an. Die Schulung der Grundkonzepte von Statik und dem Umgang von Kräften, sind in der Ausbildung sehr ausgeprägt. Dieser Stil wirkt auf den ersten Blick als der wissenschaftlichste und ausgereifteste. Die Stärken dieses Stils liegen eindeutig im Chi Sao- und hier besonders im Reaktiven verhalten. Bob ist aufgefallen, dass der Lok Yiu Stilist stets auf den Angriff des Gegners reagiert. Hier unterscheidet er sich stark vom Wong Stil, welcher im Grunde die Initiative übernimmt. Das Konzept die Körpermasse des Gegners anzugreifen (Lat Sao) ist beim Lok Yiu Stil weniger vorhanden. Stattdessen versucht man bei diesem Stil das Gleichgewicht des Gegners passiv, wie auch aktiv zu brechen, um den Gegner dann zu schlagen.
Bob ist aufgefallen, dass während die Bewegungen in der kurzen Distanz flüssig und sicher aussehen und sich auch so anfühlen (bei beidarmigen Kontakt), in der langen Distanz –speziell bei weniger erfahrenden Praktikanten – Defizite auffällig sind. Ob dies jedoch auf den Stil oder eher auf die Person selbst zurück zu führen ist, wagt Bob nicht zu beurteilen.

 

Der Ip Chun / Samuel Kwok Stil:
Bobs Erfahrung mit diesem Stil sind sehr gering, doch hatte er 1997 bei einem Seminar die Gelegenheit mit Master Samuel Kwok Chi Sao zu praktizieren. Bob hat Master Kwok als einen sehr freundlichen und zuvorkommenden Menschen kennengelernt, doch fehlte seiner Meinung nach dessen Chi Sao, der notwendige Druck, nach vorne. Das Chi Sao ist zu reaktiv und damit kann sich keine Angriffsqualität entwickeln.

Bei diesem Stil versuchen die Praktikanten vermehrt über die Winkel zu gehen. Im Grunde macht das auch der Wong-Stil, jedoch mit dem Unterschied, dass der Winkel durch das verdrehen des Gegners hergestellt wird. Beim Ip Chun Stil bewegt sich der Angreifer um den Gegner herum – das ist laut Bobs Meinung zu langsam. Zudem geht die Kraftentfaltung verloren – man bewegt sich schließlich entgegengesetzt der Schlagrichtung. Dies erleben wir auch in anderen Wing Chun, Wing Tsun Auslegungen. Dieses Missverständnis ist wahrscheinlich dadurch entstanden, das in der Holzpuppenform entsprechend um die Puppe gegangen wird. Was die meisten nicht verstehen, ist dass das Herumgehen eine eingebaute Künstlichkeit ist. Die Puppe ist schließlich fest montiert und kann nicht verdreht werden.

 

Der Ip Ching / Samuel Kwok Stil:
Diese Erfahrung beruht auf dem Umlernen und dazulernen von Master Kwok und meinen persönlichen Unterrichteinheiten bei Master Ip Ching und den vielen Stunden mit seinen Assistentin. Hier wird das brechen der Angriffsline favorisiert. Man läuft in die Angriffsline über die richten Körperwinkel hinein und bricht diese vermehrt. Der Stil besteht aus nur wenigen immer wiederkehrenden Elementen, ist äußerst pragmatisch, forciert  eine hohe Kraftentfaltung aus der Hüfte und lässt sich relativ schnell erlernen. Der Ip Ching Stil birgt eine hohe Präzision und zeichnet sich durch einen hohen Angriffsdruck aus. Auch hier ein Angriffsstil zu erkennen, der aber beides in einer Balance vereint. Wer innerhalb des Stils gut sein will, sollte sehr viel für die körperliche Konditionierung tun. (Was für einen richtigen und realen Kampf eine wichtige körperliche Voraussetzung wäre). Im Ip Ching Stil wird eine intensive Standschulung-„kleiner Pferdestand“  (Siu Lim Tao – erste Handform ) betrieben, eine extreme Schulung der Körperwendung , die in dem Fersendrehpunkt mündet „zweifacher Pferdestand“ mit den richtigen Kniegelenkwinkel in der Cham Kiu  (zweite Handform). Die Formen zeichnen sich durch energiereiche Prinzipen-Entwicklung aus.

 

Zusammenfassung:
Bobs Meinung nach beinhaltet jede der dieser Auslegung Komponente eines unbekannten Ganzen. Die einen mehr, die anderen weniger. Die Genialität des Wing Chuns zeichnet sich aber genau dadurch aus. Wenn man bedenkt, dass auch mit nur wenigen Konzepten eine gewisse Kampfkraft  erzeugt werden kann, ist es leicht nachvollziehbar, wie Effektiv dieses System in seiner originären Form war/ist.


Bobs Rat an jedem Anfänger! Egal wie gut ein System zu sein scheint, es muss zu einen selbst passen. Ist es ein System durchdacht und simpel, muss auch in kurzer Zeit zu erlernen sein. Jede Technik muss sich an drei Komponenten festmachen können: Einfachheit, Direktheit, Effektivität denn der direkteste Weg zwischen zwei Punkten ist die Einfachheit. Man kann nichts schnell (Geschwindigkeit und Kraft) lernen. Jede Bewegung sollte am Anfang langsam und ohne Kraft ausgeführt werden. Man betrachte das Beispiel  „Ballett“! die Tänzer über ihre Bewegungen zu Teil in Zeitlupe. Wir hoffen, dass Sie durch Bobs Ausführungen einen kleinen Einblick in einen Teil der europäischen WC/WT/ VT-Welt gegeben zu haben. 

 

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WCVD-Team

 

Meine heutige Sichtweise des Ip Man Wing Chun!

Meine Anfangszeit im WT begann in Kiel auf Seminaren und später bei mir bei Herrn C.Cefeke in Hannover, dort fand der Unterricht in Gründerzeit im Schuleingangsbereich einer Grundschule statt. Es gab zur dieser Zeit noch wenige Gruppen in ganz Deutschland und nur einen Organisationsleiter. Mein Ausweis trug noch das Kürzel „DWTO“ später "EWTO". Die Unterrichtsstruktur war damals sehr klar und sehr einheitlich aufgebaut. Von Verstehen des Systems allerdings weit entfernt, stellte sich diese Frage auch erst einmal nicht. Wir haben 2tägig Seminare nur mit Kettenfausttraining verbracht und gingen überglücklich und hoch zufrieden nach Hause. Unglaublich aber wahr! Wer also "WT" (Wing Tsun") und später auch Escrima lernen wollte, musste in die EWTO und das war auch gut so…denn der Erfolg gab der EWTO mit seinen ganzen Schülern und Lehrern darin Recht. Die EWTO wuchs zu einem beachtlichen Verband heran und zur damaligen Zeit völlig konkurrenzlos. Das hat sich aber in den heutigen Tagen drastisch geändert. Ob dies positiv ist oder nicht…mögen andere bewerten.

 

Menschen sind aber völlig verschieden und jeder entwickelt eine andere Persönlichkeit. Diese wurde oft schon in der Kindheit geprägt und in der elterlichen Erziehung und Bildung verfeinert bzw. verändert. Wie weit man sich später noch verändern kann, möchte ich an einem eigenen Beispiel beschreiben. Die nicht aufhörenden verschiedenen Strömungen im WT damals wie heute, führten dazu, dass wir damals auch in eine „JESSE CLOVER PHASE“ gerieten. Jesse Clover war (leider schon verstorben) der erste und kampfstärkste Schüler von Bruce Lee in Amerika. Das führte dazu, dass wir uns wie "Jesse Clover" bewegten. Zurückblickend war es die beste und kampffähigste "WT Interpretation" die Herr Kernspecht jemals schuf. Wir bewegten uns außer den Formen nicht wie das „Leung Ting WT“, das hatte mit den damaligen WT nun wirklich nicht so viel zu tun. Aber wir haben es ohne zu murren erst einmal hingenommen. Die Abkehr von dieser Phase hin zu der wieder neu entdecken „weichen Leung Ting Phase“ wurde dann auch wieder anstandslos mitgemacht. Mit WT (T-Balken) usw…und tollen Büchern, die diese neuen alten Thesen untermauerten.

 

In der weiteren Entwicklung im WT und Escrima empfand ich meine Fähigkeiten als gut bis sehr gut, nur wirkliches Kämpfen beschränkte sich oftmals auf Kettenfauststöße, Ellbogen und Frontkicks. Auch die enorme Geschwindigkeit war ein weiterer Punkt, der mir immer half mich gut behaupten zu können. Nur benutzte ich immer nur einen Bruchteil des Gelernten und brauchbare Erklärungen bekamen wir auch nicht und das ist auch heute oft so. Das viel zitierte „man solle sich verformen lassen“, führte in Wahrheit zu Verformungen im Gesicht nach den Treffern. Dieser Zustand war höchst unzufrieden und ich suchte verzweifelt nach Lösungen und verstrickte mich immer tiefer in das „WT“ (WENIG TAUGLICH) was in mir zu mehr eigenen "Interpretationen und Irrwegen" führte. Diese Entwicklung kann ich auch heute noch bei vielen Ex- WTlern beobachten.

 

Es ist wie mit allem im Leben, es kämpft immer der Mensch und nicht der Stil oder die Interpretation. Ich habe auch schon damals alles in Frage gestellt und konnte die aktuellen Entwicklungen des Verbandsleiters buchstäblich immer am eigenen Leib erfahren. Verstehen konnten ich es nicht immer. Oft kamen meine Schüler von einem Lehrgang und zeigten mir wieder neue Dinge, weil sich mal wieder das Programm geändert hatte. Das soll nicht heißen, dass man Entwicklung nicht gut heißen würde. Die vielen Privatstunden, Lehrgänge und Seminare machten einen Großteil meines jungen Lebens aus. Es veränderte alles in mir. Es gab schöne und nicht so schöne Zeiten. Sehr intensive und prägende Zeiten, die ich auch Michael Fries, Thomas Mannes (Saarbrücken) verdanke. Und wenn ich es auch heute noch immer nicht wahr haben will, Sifu Kernspecht war für mich wie ein "Vaterersatz", was letztendlich auch zum Bruch zwischen ihm und mir führte. Ende 1989 schied ich dann aus eigenem Wunsch aus der EWTO aus. Einzelheiten erspare ich mir hier....Denn auch ihm verdanke ich viel und wertschätze ihn nach all den Jahren dennoch.

 

Mit meinen Austritt aus der EWTO sollte alles anders werden und ich begann meinen ganz eigenen Weg auf der Basis von WT zu gehen. Und es war kein leichter Weg. Den Überblick zu behalten ist da schon sehr schwer…Die meisten Interpretationen gelten dem WT im europäischen Raum und wieder andere sind Vertreter anderer Lehrer aus dem Ip Man Stil. Es gibt aber mittlerweile auch andere Wing Chun Stile in Deutschland, die sich nicht auf die Ip Man Line berufen. Es verwundert mich nicht, das auch ICH in dieser damaligen langen Entwicklung in eine "WT-Sackgasse" geriet, aus der es wahrlich schwer war aus eigener Kraft wieder heraus zukommen. Die vielen Beispiele, die ich auch heute immer wieder erfahre und sehe, bestätigen diese Entwicklung jeden Tag aufs Neue. Die Suche nach dem Originalen, nach den „Geheimnissen“ im Wing Chun existierte damals und heute auch noch. Die Wahrheit lag und liegt aber wo ganz anders. Die Zeit war eine sehr intensive Zeit und die vielen Treffen mit Ex-WTlern aus der frühen Pionierzeit des WT, wie Michael Till aus München, haben mich sehr tief getroffen und bewegt. Unter ihm habe ich noch die damalige zweite Form (Cham Kiu) gelernt.

 

In dieser Zeit produzierte ich auf der Basis mit meinem damaligen Kenntnisstand im WT sogar ein Konzept-Video…“Ein Weicher Weg zum Kämpfen“! Eine Jugendsünde…weil sich für mich später herausstellte, wie sehr ich vom Weg abgekommen war. Meine Suche ging weiter und ich lernte verschiedene in Deutschland, Schweiz und Östereich ansässige Wing Chun Ip Man Stile kennen. Die Bewegungen sahen ja alle ähnlich aus, waren inhaltlich doch völlig anders. Die Erklärungen dafür waren schon damals sehr zwiespältig und jeder berief sich auf traditionell, authentisch etc…aber damit kämpfen konnten auch Sie nicht wirklich. Hier konnte man sehen, das alle Ip Man Schüler ihre eigene Sichtweise des Stils entwickelt hatten und das ist ja völlig legitim.

 

Dann lernte ich Master Samuel Kwok (England) kennen und schätzen. Ich lernte einige Jahre unter ihm…später dann ging es nach Hongkong / Fatshan, wo ich Ip Ching kennen lernte und dort von Ihm Unterricht bekam. Sein "Wing Chun" vertrat er mit einem "Chi Sao Vergleich" zwischen "IHN und MIR" und überzeugte mich auf Anhieb. In Fatschan/China trafen wir auch „Lun Gai SiFu“ der mir auf liebenswürdige Weise seine Auffassung und Interpretation von seiner Wing Chun Linie zeigte, die er unter Ip Man in Fatschan gelernt hatte. Ich war nicht schlecht erstaunt, wie ich seine Interpretation sah, die sich stark von den Hong Kong / Wing Chun unterschied. Hier in Deutschland würde ein Krieg vom Zaun brechen, der auch heute ja noch nicht wirklich erloschen ist. Das eröffnete mir einen ganz anderen Horizont und ich begann Wing Chun mit völlig anderen Augen zu sehen als das, was ich je gelernt hatte. Ähnliche Erfahrungen machte ich dann auch im Escrima speziell im "Serrada Escrima" unter verschiedenen Meistern, die alle langjährige Privatschüler von Master Angel Cabales waren. Meine eigene Entwicklung nahm von da an einen neuen Verlauf und ich bin bis heute dankbar für diese vielen lehrreichen und intensiven Lehrstunden meiner Lehrer. 

 

In Deutschland entstanden dagegen immer mehr die unterschiedlichsten WT und Wing Chun Systeme, Abwandlungen und Stile. Die Szene wächst nicht mehr ganz so schnell und oft verschwinden die Schulen, Gruppen genauso schnell wie sie gekommen sind. Ich glaube das viele Wing Chunler, die mit Unterrichten begannen, oft viel zu wenig "Wissen und Erfahrung" haben, noch wirkliches Können besitzen. Dies führt zu all-möglichen Versionen und Interpretationen. Das „WT„ ist mittlerweile wieder mal in eine neue Entwicklung eingetreten, was wieder bei vielen in einer Sackgasse enden wird. Mag dies auch bei einigen mit privaten Problemen zu tun haben, dabei sind es aber die WT-inhaltlichen Strukturen, die es nicht zulassen die Sichtweise zu verändern. Fakt ist, das viele diese Entwicklung viel zu spät bei sich erkannten. Untrennbar ist das „WT“ mit dem Kommerz verbunden…! Was bei vielen damals wie heute zu einem bitteren Beigeschmack führte. Oftmals leben die jungen Lehrer und Ausbilder diese Schiene nach und erleiden einen Schiffbruch mangels Buchführung etc... Zur damaligen Zeit völlig alleingelassen und nur benutzt. Ich nehme mich da nicht aus, auch ich lebte diesen „WT- Traum“.  Wir hatten ja alle ein und denselben Menschen als Lehrer, der uns all das VOR LEBTE „JEDEN TAG“! Erst viel später erfuhr ich was wirkliche Wertschätzung bedeutet. Es liegt auf der Hand, guter Unterricht verlangt auch gutes Geld…Möge jeder selbst für sich entscheiden, was für ihn ein guter Unterricht ist…was zählt ist immer das Ergebnis! KANN ICH DAMIT WIRKLICH KÄMPFEN? (MICH VERTEIDIGEN??) Sich daran messen zu lassen sollte schon wichtig sein…Denn schließlich biete ich eine Dienstleistung, die im schlimmsten Fall das eigene Leben retten soll.

 

FAZIT:
Mein Fazit heute: In den über 35 Jahren Kampfkunst, die ich nicht nur mit den Erlernen von Wing Chun, Escrima, JKD verbrachte, ist für mich das Wichtigste, dass man mit dem gelernten eine wirkliche Umsetzung erreicht, um es real anwenden zu können. Endlose einstudierte Partnerspiele (die sog. Chi Sao Sektionen) sind und waren da keine Lösung, weil sie zu "Mitspielprogrammen" mutieren. Den "WTler" liebstes Kind ist der heutige „Kunstkampf“, der oft in einem einseitigen sinnlosen „Chi Sao ähnlichen Gefuchtel“ endet. So wichtig manche auch das „Chi Sao“ als Entwicklungsbaustein sehen mögen und dies sicherlich auch seinen berechtigten Platz im Wing Chun hat, findet der wirkliche „Kampf“ dort nicht statt. Auch nicht wenn man alle paar Jahre das "WT" neu erfinden will...Und es mit einem "Kursbuch auf Kurs" bringen will! Nicht gelernt ist nicht gelernt, so einfach ist DAS! Aber Kurs stimmt jetzt endlich und es wird nicht mehr auf Umwegen Kurs genommen. 

 

Das intensive "Chi Sao" geprägte Ip Man Wing Chun hat noch in keinen “MMA Fight“ einen vorderen Platz eingenommen und wird es auch so schnell nicht. Nicht nur weil es dort ein Regelwerk gibt etc...NEIN! Vereinfacht dargestellt! Wenn sie sich einen Boxkampf betrachten, sehen sie typische erkennbare gelernte und antrainierte "Boxtechniken"! Man kämpft mit dem, was man gelernt hat und so sieht es für jedermann erkennbar aus. Man kann noch viele Beispiele anführen wie: Thai Boxen, Escrima, Silat, Weng Chun etc...Wenn man also nicht mit dem "Gelernten" Kämpfen kann und es wie ein schlechtes "Kick Boxen" aussieht, sollte man sich fragen, was lerne ich da eigentlich ??? Es war und ist immer die "Ganzheitlichkeit in den Kampfkünsten", die in Verbindung mit den Menschen zum Sieg führte. Und das alles erfuhren sie durch Training, Training und wieder Training, ausgerichtet darauf mit dem Gelernten kämpfen zu können. Und es gibt gute Beispiele dafür, wenn Kampfkünste einen historischen erprobten Hintergrund haben und wirklich mit dem kämpfen können, was 1:1 umsetzbar ist...

 

Text: SiFu K.Filbrandt